Gemeinsame Aktion der UNESCO-Projektschulen(Astrid-Lindgren-Schule Edewecht und Gymnasium Bad Zwischenahn) Im Rahmen der UNESCO-Feierlichkeiten des Gymnasiums Bad Zwischenahn/Edewecht fand von der Astrid-Lindgren-Schule Edewecht, die bereits zu den UNESCO-Projektschulen gehört, ein Fackellauf zur Außenstelle des
Gymnasiums Bad Zwischenahn/Edewecht statt. Von dort aus wurde das "UNESCO Feuer" von Schülern des Gymnasiums weiter nach Bad Zwischenahn gebracht. In Verbindung mit der Aktion "Luftballons" haben die Schülerinnen und Schüler der Astrid-Lindgren-Schule Bilder mit Wünschen, Hoffnungen, Ideen, Träumen ... als Begrüßung und Anerkennung der neuen aufsteigen lassen. Die ausgewählten Bildkarten für die Luftballons sind im Zusammenhang mit der Wanderausstellung "Hand in Hand in die Zukunft" am Projekttag (11.07.2007) entstanden. Die Wanderausstellung ist nach den Sommerferien 2007 in der neuen Außenstelle des Gymnasiums Edewecht zu sehen. Die Bilder und Objekte haben die gleiche Thematik und Zielvorstellungen wie die "Luftballonbilder": Ideen, Träume, Hoffnungen ... für die Zukunft - wie Kinder sich die welt wünschen. "Die Zeichnungen sind die Fenster und Gedanken der Kinder für uns, um sie zu sehen und zu verstehen" (gekürzt -JK- Joong Kang 2007). Gemeinsam "Hand in Hand" tragen wir alle Verantwortung für unsere Zukunft. Nelson Mandela sagt; "Wenn wir alle unsere Stärken zusammenführen, können wir die Welt bewegen."
Heinz-Jürgen RickertNachhaltigkeitskonzept der UNESCO-ProjektschulenBeispiel: das gemeinsame Netzwerk in Niedersachsen und BremenDie UNESCO-Projektschulen bemühen sich mit schlanken Konzepten in Schülerschaft und Kollegien, wesentliche Inhalte nachhaltigen Handels zu implementieren und intrinsisches Engagement zu befördern. Das gemeinsame Netzwerk Niedersachsen/Bremen versucht auf diesem Gebiet besondere Akzente zu setzen. Die UNESCO-Projektschulen haben sich schon jetzt in der ersten Reihe positioniert. Das Spektrum Nachhaltigkeit lässt sich aber nur dann zukunftsfähig etablieren, wenn die Themen ganzheitlich erfasst, erlebt, bedacht sind und Verantwortung für globale Kontexte aus dem lokalen Handeln heraus erkennbar sind. Es dürfte zum Beispiel fragwürdig sein, einen „Run for help" für ein Waisenhaus in Bolivien durchzuführen, wenn die sozialen, politischen und kulturellen Determinanten des Landes im Vorfeld nicht angesprochen wurden, Bedürfnisse und Lebensbedingungen der dortigen Bevölkerung bestenfalls diffus wirken, lnterdependenzen nicht plausibel erscheinen. Das Projekt „Nachhaltigkeit" mit seinen weiten Facetten ist eine gute Chance, junge Menschen auf dem prozesshaften Weg zur Emanzipation vom Egozentrismus zu begleiten und über konkrete Erfahrungen nicht nur das Selbstwertgefühl zu stärken, sondern auch persönliche Fähigkeiten entdecken zu lassen und zu fördern. Verantwortung zu übernehmen, darf dabei nicht als Bürde empfunden werden: Sie sollte als persönlicher Gewinn wahrgenommen werden. Schule sollte allerdings ebenso nicht dem Trugschluss erliegen, sämtliche lnhalte unter dem endlos strapazierten Spaßfaktor zu vermitteln. Eine gewisse Ernsthaftigkeit in der Arbeit an konkreten Themen und Aufgaben ist zweifellos eminent wichtig. Am Ende der Schullaufbahn werden Schülerinnen und Schüler unter solchen Voraus-setzungen nicht zu selbstgefälligen Bourgeois, zu alerten Flaneurs auf dem Parkett der Eitelkeiten, sondern zu Citoyens, zu mündigen, kritischen Staatsbürgern, die Verantwortung am Gemeinwohl praktizieren und damit an eben diesem auch beherzt partizipieren.
Status QuoDie UNESCO-Projektschulen unterliegen jährlicher Berichtspflicht. Seit 2004 beleuchten sämtliche Mitgliedsschulen im Netzwerk Niedersachsen/Bremen jeweils einen nachhaltigkeits-relevanten Aspekt schulischer Arbeit besonders intensiv. Das reflektiert die geleistete Arbeit, ist außerdem Anlass, konstruktiv und prospektiv ldeen zu entwickeln, die in den Folgejahren realisierbar sein können. 2006 wird der Internationale Projekt tag und seine Konse-quenz für das künftige Schulprofil auf den Modulen Sport, Bewegung, Gesundheitsförderung und Ernährung evaluiert. Während der vergangenen Regionaltagungen wurden bereits mehrfach schulinterne Ansätze im Bereich „Nachhaltigkeit" präsentiert und Verknüpfungen mit anderen Schulen gesucht. Der Kontext entfernte sich längst aus der naturwissenschaftlichen Umklammerung, umfasst inzwischen ein weit darüber hinausragendes Spektrum. Grundbausteine der Praxis sind die Stichpunkte „bewahren, beschützen, erinnern, fördern, nachwachsen lassen". Dazu gehören Beiträge zur Gedenk-stättenarbeit, Mülltrennung, Kontakt zu Migranten, Sprachförderung, Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensstilen, Partner und Patenschaftsprojekte. Gerade der zuletzt genannte Bereich führte in den zurückliegenden Jahren erfolgreich zu regionalen Kooperationen unter verschiedenen Schulen und weiteren Partnern. Internationale SchulpartnerschaftenIm südlichen Niedersachsen pflegen mehrere Schulen von beachtlichem Engagement getragene Projekte im südlichen Afrika, in Nordostniedersachsen wird ein vergleichbares Netzwerk mit Einrichtungen in Rio de Janeiro entwickelt, in Westniedersachsen ist ein Konzept in der Planung, das eine umfassende Zusammenarbeit zwischen vor Ort ansässigen Schulen und Einrichtungen in Ghana vorsieht. Dabei stehen Austausch programme neben karitativen und ökologischen Projekten. Es besteht die Möglichkeit, interessierten Schülerinnen und Schülern künftig Sozialpraktika in den Partnerländern anzubieten. Zunehmend wurden in den vergangenen Jahren regionale und landesweite Netzwerkvorhaben mit Nachhaltigkeitseffekt realisiert. Schon 2003 entschlossen sich die UNESCO-Projektschulen in Niedersachsen und Bremen, den Euro-Arabischen Dialog mit Workshops und Semi naren zu vitalisieren. Seither entstanden unter anderem zwei Internet-Magazine, von Jugendlichen aus dem Libanon, Jordanien, Palästina und Norddeutschland gestaltet. 2005 reiste eine Lehrergruppe nach Beirut, um Kontakte zu dortigen Schulen im UNESCO-Schulnetzwerk zu knüpfen. Besonders die Kooperation mit der Libanesischen UNESCO-Kommission stellte die Vorhaben auf eine profunde Basis. 2006 ist ein SchülerWorkshop in Norddeutschland vorgesehen, 2007 ein großes Projekt für Lehrer und Schüler in Alexandria, Agypten, mit Teilnehmern aus diversen arabischen und europäischen Ländern, wiederum initiiert vom Netzwerk Niedersachsen/Bremen.  "Hand in Hand in die Zukunft" Auf Landesebene führen die UNESCO Projektschulen im Schuljahr 2005/2006 das Kunstprojekt „Hand in Hand in die Zukunft " durch: Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe artikulieren ihre Verantwortung gegenüber der nächsten und übernächsten Generation mit künstlerischen Mitteln. Die Arbeiten werden zunächst in den Schulen präsentiert, dann vor Ort bepunktet, schließlich an verschiedenen Stationen ab Sommer 2006 ausgestellt, von einer Fachjury prämiiert. Nach Beendigung dieser Phase sollen die ausgezeichneten Arbeiten für einige Jahrzehnte in einem niedersächsischen Museum verschlossen werden. Die am Vorhaben beteiligten Lehrer und Schüller haben Gelegenheit, die Arbeit während eines Workshops im Europahaus Aurich zu reflektieren und VVeichen für adäquate Folgeprojekte zu stellen. Als „leading school" fungiert die Astrid-LindgrenSchule Edewecht, eine Förderschule, die Oberhervorragende Erfahrungen auf dem Kunstsektor verfügt. Tanz-ProjektEine weiteres Projekt mit beachtlicher Ausstrahlung ist das ambitionierte TanzVorhaben „Wohin gehst du – Schritte in die Zukunft", eine sehr freie Adaption der famosen Berliner „Rhythm is it"-Initiative. 100 jugendliche Tänzerinnen und Tänzer aus den vier UNESCO-Projektschulen der Region Nordostniedersachsen sind die Akteure, dazu kommen 30 Musikschüler, die den Orchesterpart übernehmen. Das Projekt ist fächer- und schulform-übergreifend, intendiert eine enge Kooperation mit Kulturträgern der Region (Theater und Musikschule Luneburg), definiert die Lehrerrolle neu (sie sind ebenfalls Lernende, zugleich Moderatoren) und schafft mit einem kreativen Expertenteam die professionelle Grundlage. Choreografin Kerstin Kessel und Dirigentin Kathy Kelsh entwarfen das künstlerische Konzept. Es wird in Arbeitsgemeinschaften in den teilnehmenden Schulen umgesetzt und kurz vor der Uraufführung am 1. Juli 2006 in einer Projektwoche zusammengeführt. „Wohin gehst du" vertanzt jugendgemäße Fragestellungen und Probleme (Partnersuche, Arger mit den Eltern, Sehnsucht und Angste) in acht Szenen. Die Musik ist eine Eigenkomposition der amerikanischen Dirigentin und verbindet Elemente wie Hiphop und Rap mit klassischen Bestandteilen. Das Vorhaben versteht sich als pädagogische Innovation und soll die Jugendlichen animieren, sich individuell für das kollektive Gelingen anzustrengen: ein Kraftwerk, das nachhaltig auf das Selbstbewusstsein der beteiligten Schüler und die Schule ausstrahlt. Prozess-SchritteDie Konzentration auf den Fokus „Nachhaltigkeit" verstehen die UNESCO-Projektschulen im Netzwerk Niedersachsen/Bremen als sinnvolle Gelegenheit, ein Fundament für- künftige Schularbeit zu schaffen. Die thematischen Alternativen aus den Vorgaben der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung", die Verbindung von globalen und lokalen Kontexten und die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern regen eine allgemeine Veränderung im Schulleben und der Schullaufbahnen an: Zusammenhänge werden erkennbar, Verantwortung wird gefördert, Unterricht handlungsorientierter, Prozesse werden angeschoben, Perspektiven entwickelt. Das Landesnetzwerk hat einen Beschluss gefasst, in den kommenden Jahren ein nach außen und innen klar erkennbares Nachhaltigkeitsprofil zu implementieren, das verpflichtende Standards mit fakultativen Angeboten verbindet, individuelle Beiträge der Schüler würdigt und am Ende der jeweiligen Schulzeit die geleistete Arbeit der Schüler zertifiziert. Der Aktionsradius für- den Basis-Kanon reicht von ökologischen Aspekten wie „Dreh ab", gesunden Angeboten in der Cafeteria, MüIltrennung, Gedenkstättenarbeit (oft in Hinblick auf den Nationalsozialismus) bis zu interkulturellen Akzenten. Diese konsensuale Grundlage für das komplette Netzwerk ist zurzeit in Arbeit und wird auf der nächsten Regionaltagung im November 2006 verabschiedet. Als zweite Schicht folgen zum Teil temporare Vorhaben, die in regionalen Netzwerken oder landesweit entwickelt und realisiert werden. Dazu gehbren die vorgestellten Projekte „Hand in Hand in die Zukunft" und „Wohin gehst du –Schritte in die Zukunft", respektive die schon existierenden oder neu konzipierten Partner- und Patenschaftsvorhaben. Als drittes Betätigungsfeld bietet jede einzelne Schule weitere Möglichkeiten zum Kontext „Nachhaltigkeit" an, bevorzugt in Zusammenarbeit mit örtlichen Partnern, zugeschnitten auf die lokale Infrastruktur. Das vierte Element sind eigene Ideen und Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler. Sie können beispielsweise ihre Erfahrungen in Jugendgruppen oder Verbänden (NABU etc.) nutzen und diese kreativ ins Unterrichtsgeschehen einbringen, etwa durch Partizipation außerschulischer Organisationen in geeigneten Unterrichtsthemen. Die Prozesse und Erkenntnisse dieser momentan sich strukturierenden Arbeit sollen regelmäßig im Jahresbericht der UNESCO-Projektschulen dokumentiert und evaluiert werden. Die Ergebnisse werden transparent gemacht und, wenn es angemessen erscheint, in einer Art „best practise" veröffentlicht. Das Profil selbst dient einerseits der Akzentuierung innerhalb der Schulen, andererseits der Positionierung in der lokalen Bildungslandschaft und vor allem individueller Lembegleitung und -förderung der Schüler.
KooperationenEine enge Kooperation mit lokalen und überregionalen Partnem ist mehr als opportun, sie ist zwingend erforderlich, um Ressourcen zu bündeln und die Effizienz der Arbeit zu steigern. Die UNESCOProjektschulen in Niedersachsen und Bremen arbeiten unter anderem intensiv mit dem Programm „BLK-Transfer 21" zusammen, sind aktiver Partner des gesamten Netzwerkes. In Nordostniedersachsen wird ein Verbund aus mehreren UNESCO-Projektschulen federführend ein Nachhaltigkeitsaudit (2006 bis 2008) erstellen. Es stellt im Vergleich zum angestrebten und für sämtliche UNESCO-Projektschulen in Niedersachsen und Bremen verpflichtenden Nachhaltigkeitsprofil eine qualitative Steigerung dar: In diversen Schritten werden die teilnehmenden Schulen Aspekte wie Leitbild, Kompetenzen, Schulleben, Management, Ressourcen, vorhandene Kooperation unter wissenschaftlicher Begleitung analysieren und bewerten, daraus Konsequenzen für die spätere Schularbeit folgen lassen. Das Audit beschleunigt die Qualitätsentwicklung der Schulen, stiftet Zusammenhänge, optimiert vorhandene Strukturen mit Nachhaltigkeitsbezug, fördert selbstständiges Lemen und schafft einen erheblichen Zuwachs an Identifikation von Schüerschaft und Kollegium mit der Schule. Verantwortung übernehmen„Nachhaltige Entwicklung heißt zum einen Zukunftsfähigkeit. Wir stehen in der Verantwortung, unser heutiges Leben so zu gestalten, dass auch in 50 oder 500 Jahren noch menschenwürdiges Leben auf der Erde möglich ist. Nachhaltige Entwicklung bedeutet aber auch, Sorge dafür zu tragen, dass hier und heute in alien Regionen der Welt ein menschenwürdiges Leben möglich ist, Ressourcen also nicht nur zukunftsfähig genutzt, sondern auch gerecht verteilt werden" – ein Plädoyer von Walter Hirche, Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, das den Weg der niedersächsisch-bremischen UNESCO-Projektschulen flankiert. Das Netzwerk versteht sich als bildungspolitische Avantgarde, kreativer Impulsgeber, zuverlässiger Kooperationspartner und Beschleunigungsinstrument für ein sich deutlich veränderndes öffentliches Bewusstsein, in dem Nachhaltigkeit keine leere Vokabel ist, sondern Ausdruck des Interesses an und der Verantwortung für die Eine Welt. Heinz-Jürgen Rickert ist Landeskoordinator der UNESCO-Projektschulen in Niedersachsen Nachzulesen in "UNESCO heute 1/2006" Seite 62f siehe auch: www.unesco-heute.de

Nachzulesen bei: Beispiele Praxis - Materialien zur Friedenserziehung; Dokumentation Friedenstag 2005 www.volksbund.de
"Wir sind jetzt anerkannte UNESCO-Projektschule"
Bilder von der UNESCO-Anerkennungsfeier und vom Tag der offenen Tür |